Die Seele geht zu Fuß.

Rückschau nach 2 Monaten Alltag.

Liebe Freunde,
die drei Monate Studienurlaub im Sommer 2011 waren für mich ein Geschenk des Himmels. Von den vielen Eindrücken und Erlebnissen möchte ich drei Aspekte besonders erwähnen.

Große Gastfreundschaft

„Wo und wie habt ihr übernachtet“?
So sind wir zuhause oft gefragt worden.
Für die neunzig Tage waren nur elf Quartiere vorab reserviert worden, hauptsächlich in Franziskanerklöster. Für die anderen Nächte hofften Boromir und ich auf die Gastfreundschaft der Menschen unterwegs.
spontane Gastfreundschaft im ValsuganaDieses Vertrauen wurde reichlich belohnt. Oft wurden wir spontan zur Übernachtung eingeladen, ohne überhaupt danach zu fragen.

Besonders Menschen, die selbst Esel oder Pferde halten, luden uns zu sich ein.
Es war ein tolles Gefühl morgens los zu gehen mit der Vorfreude und Neugier auf liebe Menschen, bei denen wir abends zu Gast sein würden.
Auf früheren Wanderungen ohne Esel erlebte ich zwar auch manche freund-liche Aufnahme. Aber im Vergleich
zu meinem diesjährigen Studienurlaub, muss ich Boromir danken. Von den Sympathien, die er bei Menschen spontan weckte, profitierte ich sehr.

Die Seele geht zu Fuß

Zu Fuß unterwegs sein, ist einfach wohltuend für Körper, Geist und Seele.
Das spürte ich einige Tage nach meiner

Rückkehr bei der ersten langen Auto-fahrt. Der Esel als Begleiter, mit dem man nicht schnell mal umsteigen kann, verstärkt die Entschleunigung zusätzlich. Es geht alles nur in über-schaubaren Tagesetappen von ca. 30km.
So haben wir uns die schöne Alpen-landschaft erwandert. Der Weg war lang, (1500km) aber nie hatte ich das Gefühl von Eile, Hast oder Termin-druck. Besonders schön für den Menschen, dass Lasttiere Ruhetage brauchen. Neunzehn Tage, meist Sonntage, haben wir wohlverdiente Ruhe genossen. Auch drei Regentage waren auf ihre Art schön. Nie hatte ich in den letzten Jahren mehr Zeit in mich zu gehen, als an den Regentagen.

Mensch und Tier, Bruder und Schwester

Tierfreund bin ich schon immer gewesen. Als Kind verbrachte ich viel Zeit in den Stallungen unseres kleinen Hofes. Allerdings war mein Verhältnis zu Tieren doch geprägt von bäuerlichem Pragmatismus.

zwei die Verständnis füreinander habenJetzt, nach den Erfahrungen des Studienurlaubes möchte ich mehr sein als ein Tierfreund, denn Tiere geben uns ein Stück vom Paradies zurück. Obwohl ich mit Boromir in Vorbereitung auf unsere großen Pilgerweg schon ca. 1000 km in drei Abschnitten unterwegs war, richtig nahe gekommen sind wir uns erst im Sommer beim tagtäglichen Gehen über drei Monate.
Einen neuen Namen habe ich ihm insgeheim gegeben. „Mahatma“, das heißt „Große Seele“. Diese Erfahrung ist schwer zu beschreiben. Tiere brauchen dazu keine Worte, um sich uns mitzuteilen als unsere Seelenverwandten.
Beeindruckt war ich auch unterwegs

von Menschen, die eine geheimnisvolle innere Verbindung zu ihren Haustieren hatten. Sie leben mit ihren Eseln, Pferden, Stieren oder Rehen wie mit Bruder und Schwester.
So ein Mensch war auch Franziskus.

Gott ist auch unterwegs

Als vierten Aspekt möchte ich die religiösen Erfahrungen und Erlebnisse kurz ansprechen. Mir ist tagtäglich klar geworden, warum Jesus ohne festen Wohnsitz durch seine Heimat zog und warum Franziskus von seinen Ordensbrüdern das Unterwegssein verlangt. Täglich bin ich mit Menschen über Gott ins Gespräch gekommen. Wiederholt wurde ich gebeten für meine Gastgeber zu beten.
Einmal durfte ich die schöne Bitte, das Haus meiner Gastgeberin zu
segnen, erfüllen, und das als „Predte protestante“ im katholischen Italien.
Immer lernte ich von meinen Gesprächspartnern, dass der Weg zu Gott sehr persönlich und sehr verschieden ist.

In Südtirol feierte ich mit einer Bauernfamilie das Fest „Maria Himmelfahrt“
in der Dorfkirche. Danach war Boromir geschmückt mit Wildblumen aus den Bergen.

Das Gespräch über Gott, Glaubensprobleme und über die Kirche war immer direkt und sehr persönlich.
Denn ich war ja nicht der Herr Pastor, sondern der „Mann mit dem Esel“.

Über diese Erfahrungen werde ich in zukünftigen Gottesdiensten noch viel
zu erzählen haben. H.B.

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Eine Antwort zu Die Seele geht zu Fuß.

  1. Norbert Baron schreibt:

    Hallo Hans, ich hoffe Du bist gut ins neue Jahr und in Deinen Ruhestand gekommen. Es ist immer wieder schön Deine Berichte wie diesen hier zu lesen. Wie geht es mit Paco, ich denke mal mit ihm hast Du viel Spaß.
    Viele Grüße Norbert

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