Der älteste Baum Deutschlands–Reiseziel 2013

Nach der Tour ist vor der Tour.
Zurück aus Nordhessen sind wir seit dem 24. Juli.
Wir haben nicht nur den ältesten Baum Deutschlands besucht,
sondern auch das schönste Eselfohlen Deutschlands.

Dank an alle Menschen, bei denen wir zu Gast waren.

Schon seit einigen Jahren stand der Kellerwald auf meiner Urlaubs-Wunschliste.
2008 wurde die Region um den Edersee Weltkulturerbe. Toll, dass nicht nur von Menschen errichtete Dinge diesen Status erwerben können, sondern auch etwas das 100% Natur ist.
In verschiedenen TV-Dokumentationen war ich schon optisch eingestimmt auf diesen einmaligen Buchenwald.
Ob das eine gute Vorbereitung ist,sich vorher im Fernseher schon
einmal das anzuschauen, was mal live erleben will – na ja.
Die Wirklichkeit war dann doch noch viel spannender und interessanter als jede Doku-Sendung. 

Linde1

Vorbereitung

Das Internet spielt bei meinen Tourenplanungen eine immer größere Rolle. Den gesamten Weg, ca. 400 Kilometer, hatte ich in meinem persönlichen googlemaps vormarkiert und von 28 Übernachtungen zwanzig telefonisch vorher gebucht.

Dank googlemaps konnte ich meist der vormarkierten Route auf dem Smartphone folgen und wusste vorab genau, wie lang die jeweilige Tagestour war.

Der Weg zum Edersee

Die 140 km waren in 5 Tagen leicht zu schaffen. Nach dem zweiten Tag begann das herrliche Sommerwetter. Die Quartiere waren alle telefonisch vorbestellt, teils bei Freunden aus der Reiterszene, teils bei Gasthöfen. Übernachtet wurde im Zelt. Boro hatte entweder Stall oder Regendecke.

Wie immer marschierte mein Esel die ersten zwei Tage fast zu schnell. Offensichtlich erwartet er dann noch abends im heimischen Stall anzukommen. Am 3. und 4. Tag dann ändert sich sein Elan und es wird spätestens am 6. Tag Zeit für einen Tag ohne Weg.

Am fünften Tag durchquerten wir den Naturpark Kellerwald bei herrlichem Wetter von Süd nach Nord und erreichten den Campingplatz Asel-Süd direkt am See.

Was für ein herrliches Waldgebiet

Fünftausend Hektar  Rotbuchenforst in einer zusammenhängenden Fläche: Durch den vielen Regen im Mai und Juni war der Wald in einem satten gesunden Zustand. Kein Raupenfraß war an den Blättern zu sehen. Der Waldboden, noch regenfeucht, duftete urig und warm.
Da im Naturpark nicht gejagt wird, ist das Wild sehr zutraulich, auch das sonst scheue Rotwild.

Kellerwald – ursprünglich Köhlerwald

Dieses heute so  herrliche Waldgebiet war  im 16. Jahrhundert ein “Kahler Wald”. Beide Namensdeutungen, Köhlerwald und Kahler Wald, ergänzen sich. Zeigen Sie doch, dass vor fünfhundert Jahren dort keine herrlichen Buchenbestände mehr standen. Die Köhler hatten den Wald licht und kahl gemacht.
Zweihundert Jahre Schutz und Zeit und die Natur lässt wieder einen so herrlichen Wald wachsen. Das war ein großer Hoffnungsgedanke auf meinem Weg.
Bei aller Angst um den Erhalt der Schöpfung, die man gerade hier im Rhein-Main-Gebiet hat, ist es hoffnungsvoll dort zu erleben wie die Natur doch den längeren Atem hat.
Hier breiten sich die Wohngebiete und Straßen immer noch aus und begraben die Natur unter sich.
Dort in Nordhessen zieht sich der Mensch zurück, auch außerhalb des Naturschutzgebietes, und sofort überwindet die Natur mit sanfter Kraft die menschlichen Machwerke. Sie dazu das Bild unten.

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Ungeordnete Fotos der Sommertour 2013 findest Du unter http://sdrv.ms/17BBnfo   

Kriebelmücken und Waschbären

Fünf Tage hatte ich eingeplant, um das schöne Naturschutzgebiet zu erkunden und zu bewundern. Allerdings hatten wir zwei zuerst einmal mit einer großen und mit einer kleinen Plage zu kämpfen.
Die Waschbären waren das kleinere Problem. Die Campingplatz-betreiber hatten uns vorgewarnt. Sie kommen in der Dämmerung, sind dreist und aufdringlich und fressen alles, was nur irgendwie nach Lebensmitteln riecht.
So habe ich neben meiner Schlafmatte im Zelt meinen Wanderstock platziert, um die putzigen Plagegeister zu verscheuchen. Das war so zwei bis dreimal pro Nacht nötig. Es war schon unangenehm, aus dem Tiefschlaf heraus, einen der Burschen im Gepäck rumwühlen zu sehen.

Die Kriebelmücken ließen sich nicht so leicht vertreiben. Schon beim Weg zum Campingplatz hatten sie Boros Brust und Bauch so befallen, dass sich handgroße allergisch verhärtete Stellen bildeten.
Meine Hilfeanrufe bei naheliegenden Tierärzten brachten zwei Möglichkeiten Boro vor dieser Plage zu retten.
1. Sofort in den Stall mit Boro und am nächsten Morgen die Tour abbrechen.
2. Sofort über Nacht in den Stall, Behandlung der allergischen Stellen mit Kortison-Salbe und anschließend einfetten mit Vaseline.
Ich wählte die zweite Variante.
Die nette Familie Wilhelmi ließ Boro in ihrem Pferdestall übernachten.
Die Kortison-Salbe beruhigte die harten Stellen zwischen den Vorderbeinen und am Bauch. Am Morgen habe ich diese Stellen mit Sagrotantüchern gereinigt und mit Melkfett dick eingeschmiert. Die Ohren innen habe ich genau so behandelt.
Das Melkfett wirkte wie ein klebriger Fliegenfänger. Gegen Abend war es eine schwarze Masse, die abgewaschen werden musste.
Nach drei Tagen waren die allergischen Stellen abgeschwollen.
Die Behandlung habe ich aber noch zwei Tage weiter durchgeführt.

Bemerkenswert – die Pferde und die Esel dort litten zwar auch unter den Kriebelmücken, aber sie hatten keine allergischen Reaktionen, selbst wenn sie die ganze Nacht draußen waren.
Diese Tiere waren an die dortigen nordhessischen Kriebelmücken gewöhnt. Es soll ca. 50 verschieden lokale Unterarten dieser Plagegeister geben in Deutschland

Der Naturpark

Er ist der jüngste Nationalpark Deutschlands und deshalb wohl der modernste. Das Naturpark Zentrum sieht aus wie ein modernes Büro und passt für meinen Geschmack nicht in die Landschaft.
Aber es ist mit modernster Technik ausgerüstet, die in Film und Ton eine Fülle von hochinteressanten Informationen präsentiert.
Der Baumwipfelpfad hat mich auch begeistert. Bemerkenswert ist auch der Urwaldsteig, den man nicht unterschätzen sollte. Er ist für Radfahrer und Esel ungeeignet. 
Auf den Uferwegen rund um den See begegneten mir viele Radler, Jogger und Wanderer. Sobald ich aber etwas in die Höhe ging, war der herrliche Wald fast menschenleer. Die vielen Touristen der großen Campingplätze bleiben also am See. So konnte ich Rotwild, Rehe oder Schwarzspechte in in Ruhe beobachten.

Für Freunde alter Haustierrassen möchte ich noch Frankenau empfehlen. Dort hat ein Verein und die Naturparkverwaltung ein interessantes Arche-Projekt auf die Beine gestellt.
http://www.fuhrhalterei-finke.de/de/

Vogelsberger

Bei unserem Weg vom Edersee zur Kommunität Imshausen
http://www.kommunitaet-imshausen.de/
durchquerten wir in der zweiten Juliwoche viele schöne Wälder.
Die Bremsen waren in diesen Tagen für Boro mittags eine erneute Plage. Zur Mittagspause gingen wir trotz der Hitze deshalb lieber aufs freie Feld.

Die ökumenische Kommunität Imshausen kenne ich schon seit meiner Studentenzelt. Oft bin ich dort zu Arbeitswochen oder Einkehrtagen gewesen. Spiritualität in der abgeschiedenen Natur, das tut immer gut. Drei gesegnete Tage habe ich dort wieder erlebt.
Leider fehlt der Kommunität der Nachwuchs.

Gestaltung der Landschaft durch Baum und Strauch

Rund um den Tannenhof, den die Kommunität seit ca. vierzig Jahren bewohnt, haben die Brüder und Schwestern ihre Äcker und Wiesenflächen mit breiten Windschutzhecken und schönen Einzelbäumen den Charakter eines Parks verliehen. Das ist nicht nur schön, sondern auch ökologisch sinnvoll.

Freundschaft

Zwei Tagesetappen südlich von Imshausen erreichten wir unser Ziel.
Inzwischen war der Sommer zur Hochform aufgelaufen und Boro verlor die letzten Reste der Winterwolle am Bauch. Temperaturen über 30 Grad sind für Boro kein Problem. Das hatte er schon in Venedig und Padua bewiesen. Die Mittagspausen wurden jetzt ausgedehnt. Dafür waren wir bis abends 20 Uhr am wandern.

Die Linde von Schenklengsfeld hat mich tief beeindruckt.
Leider steht sie mitten auf dem Marktplatz des Ortes. Gerne hätte ich für eine Nacht Isomatte und Schlafsack unter ihr ausgebreitet, aber das schöne Ambiente war dafür absolut ungeeignet.
So holte ich mir im nahen Gasthof einen Krug Bier und verbrachte eine knappe Stunde unter dem Kronendach des uralten Baumes.
Normalerweise stören mich neugierige Mitmenschen nicht, die vom Anblick des Esels fasziniert immer die gleichen Fragen stellen, und fotografieren.
Aber dort wäre ich gerne für mich alleine gewesen um dem Baum in Ruhe zu zu hören.   Weisheit des Baumes 

Von dem schönsten Eselfohlen Hessens berichte ich in den nächsten Tagen.


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